Marthe i Sundsvall. Vad roligt!

10 Monate in der Stadt mit dem nördlichsten Ikea der Welt.

04Sept
2010

Sundsvall - die Hauptstadt Norrlands...?

In der Touristenbroschüre der Stadt Sundsvall steht geschrieben: "Wenn es eine Stadt gibt, die sich wie ein Vogel aus der Asche erhoben hat und die Umwelt mit ihrer neuen Pracht blendet, dann muss es Sundsvall sein." Ich bin mir nicht so sicher, ob ich mit den Verfassern dieses Beitrags hundertprozentig übereinstimme. Auf jeden Fall besitzt Sundsvall ein paar schöne Ecken, doch diese liegen nicht überall sichtbar herum. Erst heute Nachmittag haben wir eine von diesen Ecken entdeckt.

Die Insel Alnön liegt direkt vor Sundsvalls Küste und angeblich soll es dort auch einen sehr schönen Strand geben. Obwohl wir ein ganzes Stück an der Küste von Alnön entlang gepilgert sind, waren wir irgendwann auch des Pilgerns müde und machten uns wieder auf den Rückweg. Dieser eher minder erfolgreiche Versuch ist aber bestimmt nicht der Letzte gewesen. Zumal man in Sundsvall mit seinen ganzen 4 Buslinien fast alles erreichen kann - abgesehen von der Universität. Jedenfalls nicht von Nacksta aus, dem Stadtteil in dem ich wohne. Wenn man sich in Sundsvall an etwas gewöhnen muss, dann ist das mit Bestimmtheit das Laufen von A nach B. Denn auf Dauer ist es erstens zu teuer immer mit dem Bus hinzufahren und zweitens sehr nervig von Sundsvall Buslinien abhängig zu sein, die in der Woche abends um 23 Uhr ihren Linienverkehr einstellen. Eine andere Möglichkeit sich in Sundsvall fortzubewegen, ist Fahrrad fahren. Zumindest bis Ende Oktober. Denn dann soll der Schnee kommen. Doch ein vernünftiges Fahrrad zum geringen Preis zu finden, ist ganz schön schwer. Ich kann da schon ein Lied von singen. 

Denn zu Beginn dieser Woche war ich für ganze 2 Tage im Besitz eines Fahrrads! Erstanden habe ich das 26er Mountain Bike im Fyndlagret, einem Second-Hand Laden, bei mir um die Ecke. Es war schwarz, eine Bremse funktionierte, die andere nicht, ein platter Vorderreifen und die Kette konnte etwas Öl vertragen. Zu diesem Ergebnis kam mein ungeschulter Blick. Ich konnte den Preis sogar noch etwas nach unten handeln.Ganz benebelt von meinem Glück führte mich mein erster Weg zu Cykel-Nisse, der Fahrradwerkstatt. Fachmännisch klopfte ein älterer Herr an meinem Fahrrad rum, reparierte die Bremse und füllte die Reifen mit Luft. Fertig. Danach radelte ich stolz nach Hause. Doch die Freude währte nicht lange. Am nächsten Morgen war der Reifen wieder platt, zudem bemerkte ich ein merkwürdig loses Hinterreifen. Wieder zu Cykel-Nisse. Diagnose: kaputte Kette und gebrochene Hinterachse. Da ich nicht vorhatte noch mehr Geld in das traurige Fahrrad zu stecken, war ich mir sicher, dass die Leute vom Fyndlagret ihr Fahrrad wieder annehmen würden, während ich mein investiertes Geld wieder mitnehmen könnte. Es stellte sich heraus: Die vom Fyndlagret behielten mein Geld und ich ihr vermaledeites Fahrrad. - " No, no. We don't want to take it back. It's broken". Somit bewege ich mich wieder fort, wie es sich für Sundsvaller oder Nacksta-Bewohner, die nicht im Besitz eines Bustickets sind, gehört: ich laufe. 

Ich laufe in die Stadt, ich laufe zum nächsten Coop Extra zum Einkaufen, ich laufe nach Norrmalm zu Kerstin und Maraike, ich laufe zum Sidsjö (Sid-See) und zur Uni laufe ich natürlich auch.

Die Uni liegt zwischen Nacksta und Sundsvalls Innenstadt und der Weg, den ich dorthin gehe, führt zum Teil entlang der Bergsgatan, der größten und breitesten Straße, die durch Sundsvall führt. Die Mid Sweden University oder Mittuniversitetet ist eine Universität, die auf die drei größten Städte der Region Norrland aufgeteilt wurde. Das kann man auch gut nachvollziehen. Man muss nur wissen, dass Sundsvall mit seinen 95.000 Einwohnern als die Hauptstadt Norrlands gilt und das es an der Mittuniversitetet in Sundsvall ca. 5000 Studenten gibt. Der Campus in Sundsvall ist deshalb auch etwas kleiner als der Campus der Bremer Uni. Aber dafür auch um einiges schöner! In einem kleinen Innenhof stehen das L-, M-, N- und O-Gebäude. Jedes Gebäude ist einem anderen Fachbereich zugeordnet. Zudem befinden sich dort aufgeteilt auch die Rezeption, die Seminarräume, die Cafeteria, die Bibliothek und einige Computerräume. Das ausgefuchste an der Konstruktion der Gebäude ist, dass sie miteinander verbunden sind! Eine Art Tunnel verbindet die Häuser, sodass man nicht im eisigen Winter bei minus 30 Grad von Gebäude zu Gebäude stapfen muss. Sehr pfiffig. Hoffentlich fangen auch bald für mich Kurse an, damit ich die Uni dann noch etwas mehr erkunden kann. Zur Zeit befinde ich mich im Uni-Niemandsland. Niemand weiß, wann Kurse anfangen und niemand kann einem wirklich Auskunft darüber geben, wen man für brauchbare Informationen fragen muss. Auch das wird sich hoffentlich nächste Woche klären.

Hier ein paar mehr Bilder aus der letzten Woche: 

der Sidsjö

 

Chill-Out am Sidsjö! Viel Essen und tolle Menschen trafen sich zum Picknick

 

Kubb spielen

 

ein bisschen Innenstadt von Sundsvall

 

noch ein bisschen Innenstadt von Sundsvall

 

Willkommen!

 

Campus Innenhof

 

Campus Eingang aus Richtung Norrmalm

 

Campus II

 

 

 

27August
2010

Fredag eftermiddag: Ein Bett und ein neuer Mitbewohner kommen an

Seit nunmehr einer halben Stunde steht ein Bett in meinem Zimmer. Gemütlich und unscheinbar steht es dort als wenn es schon immer dagewesen wäre und lächelt mir entgegen. Dazu gesellen sich nicht nur ein großes Regal namens Billy, sondern auch ein freundlicher Stuhl namens Poäng. Das fühlt sich komischerweise sehr heimatlich an. Zusammen fügen sie sich zu einem Raum, der in den nächsten 10 Monaten mein Zuhause sein wird. Langsam kommt die Erkenntnis: das sind ja doch einige Wochen! 

Aus meinem Zimmerfenster aus dem schönen Stadtteil Nacksta gucke ich auf einen Kindergarten und dahinter sieht man schon die Wälder, die Sundsvall komplett umgeben. Eigentlich hatten wir heute vor diese Berge zu erklimmen, denn zur Abwechslung können wir tatsächlich den blauen Himmel über Sundsvall erblicken! Doch die Ankunft meines Bettes und meiner neuen Mitbewohnerin, Mia, haben diese Pläne erstmal nachhinten verschoben.

Mia ist eine waschechte Schwedin aus Lund und klopfte heute morgen zaghaft an meine Tür. Sichtlich erschöpft, nach einer 8-stündigen Zugfahrt, hat sie ihre neue Heimat erreicht. Da in ihrem Zimmer noch weniger Möbel stehen als in meinem  - exakt: keine - gehen wir zusammen zur Möbelfirma und suchen uns die schönsten Betten aus, die man sich vorstellen kann. Ein netter Schwede namens Lennart ist dafür verantwortlich und beschließt nachdem ich mir ein "Hej" und "Jag förstår liten svenska" abringe, dass er fortan nur noch Schwedisch plaudert. Endlich! Ich verstehe zwar erstmal nur Bahnhof und ein paar Fetzen aber das ist schon mal ein großer Fortschritt zu den letzten Tagen. Denn in Sundsvall ist es so, dass die Leute alle wirklich super nett sind, doch sobald sie merken, dass du kein Schwede bist mit einem Englisch sprechen. Aber ich will doch Schwedisch sprechen! Aus diesem Grund bin ich für Lennarts Konsequenz sehr dankbar.

 

Heute Abend steht ein Kochabend im Studentenwohnheim Norrmalm bei Kerstin und Maraike an. Dort habe ich auch die letzten Abende in geselliger, internationaler Runde verbracht.Die beiden Italiener, Andrea und Francesco, haben beschlossen für uns zu kochen. Die beiden sind wirkliche Bilderbuch-Italiener und ein Herz-und-eine-Seele. Ansonsten gehören zu unserer bisher überschaubaren Erasmus-Familie, die Amerikanerin Amanda (aus Iowa), Aurélien(aus Frankreich), Vincent (Niederlande) und die Deutschen (Kerstin, Maraike, Christoph, Manuel und Sebastian). Ich bin gespannt, was Andrea und Francesco unzubereiten werden.Vermutlich Pasta

Schlafstätte der ersten Tage

Mein Zimmer

 heute Morgen: blauer Himmel!

heute Morgen: blauer Himmel!2